Ausweispflicht kann Opa nicht beeindrucken

In Deutschland gibt es bekanntlich eine Ausweispflicht ab dem vollendeten 16. Lebensjahr. Alle zehn Jahre müssen die Bürger ihre amtliche Urkunde erneuern lassen und dafür eine Gebühr von 28,80 Euro zahlen – so sieht es das Personalausweisgesetz vor. Zusätzliche Ausgaben entstehen durch die Notwendigkeit, stets ein aktuelles Passfoto anfertigen zu lassen. Meinem sparsamen Opa (94) ist allerdings kaum zu vermitteln, warum er dieses Geld ausgeben soll. Er fährt inzwischen kein Auto mehr und geht auch sonst nur selten aus dem Haus. Sein Personalausweis ist deshalb schon eine ganze Weile abgelaufen. „Wann brauche isch dot Schissdinge dann emohl?“, fragte er provokant, als ich ihn auf dieses Versäumnis hinwies.

Neulich allerdings hätte Opa den Ausweis anlässlich eines Notartermins tatsächlich einmal benötigt. Der Jurist zeigte sich jedoch entgegenkommend und akzeptierte ersatzweise den Führerschein meines Opas als Identitätsnachweis. Dieser ist zwar schon fast 50 Jahre alt und ein wenig vergilbt. Zum Glück ist er aber noch gut zu lesen, und mein Opa ist darauf klar zu erkennen. Überrascht stellten wir schließlich sogar fest, dass Opa anlässlich des Notartermins offenbar das selbe Jackett trug wie damals, als das Passbild für den Führerschein aufgenommen wurde. Der knappe Kommentar des sparsamen Westerwälders: „Isch kaafe mir joh net jedes Johr e nej Jippsche!“

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Ein gelungenes Mahl gehört zum Weihnachtsfest

Zum Weihnachtsfest gibt es alle Jahre wieder nicht nur viele Geschenke. Auch ein leckeres Essen gehört in den meisten Familien zum Festtagsprogramm. Meine Mutter versucht zu diesem Anlass stets, auch meinen 94-jährigen Opa zufrieden zu stellen. Doch mit welchen Speisen man ihm eine Freude machen kann, ist gar nicht so einfach herauszufinden. Unabhängig davon, ob Opa das Essen schmeckt oder nicht, isst er nämlich stets seinen Teller leer. „Bei mir werrn kei Urtze gemacht“, erklärt er in diesem Zusammenhang. Überschüssige Nahrung wegzuwerfen, kommt für ihn nicht in Frage – zu prägend waren Hunger und Armut in seiner Kindheit und Jugend. Der Teller ist nach dem Essen immer so sauber, dass man ihn gleich zurück in den Schrank stellen könnte. „Die Platt es bei mir immer gebotzt!“

Nun könnte man Opa natürlich trotzdem eine Freude machen, wenn er wenigstens seine Lieblingsspeisen erwähnen würde. Doch auch in diesen Fällen hüllt er sich regelmäßig in Schweigen. Auf die Frage „Hat es Dir geschmeckt?“ antwortet er entweder „Isch äße alles“ oder „Wenn isch nix sohn, hot et geschmeckt“. Gespart wurde in früheren Zeiten offenbar nicht nur an Essen, sondern auch an Lob. Die Köchin trägt es mit Fassung und zieht ihre Schlüsse einfach aus dem Appetit des Opas. Wenn dieser sich ausnahmsweise einen Nachschlag genehmigt, ist das Festtagsmahl offenkundig gelungen.

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Als in Opas TV nur noch Radio lief

Videoclips und TV-Programme sind heute allgegenwärtig. Ob im Bus, in der Warteschlange oder auch nebenbei in der Pause – dank moderner Smartphones flimmern den ganzen Tag irgendwelche Filmchen über kleine Mattscheiben. Für Kinder und Jugendliche ist das längst selbstverständlich. Erwachsene hingegen erinnern sich noch gut an die Zeit, zu der es nur ein Fernsehgerät pro Haushalt gab und das Programm mit dem Rest der Familie abgestimmt werden musste. Bei nur drei bis vier verfügbaren Sendern war immerhin die Auswahl begrenzt.

Auch mein 94-jähriger Opa hat inzwischen einen modernen Flachbild-Fernseher – das alte Gerät war schlichtweg kaputt. Die meisten Funktionen des LCD-TV sind für ihn allerdings eher rätselhaft und verwirrend. Er braucht eigentlich weiterhin nur seine gewohnten vier Sender. Diese Woche hatte er versehentlich die Radio-Funktion des Fernsehers aktiviert. Statt bewegter Filme zeigte seine Mattscheibe auf allen Programmen plötzlich nur noch das Standbild einer Geige. Opa jedoch war sich keines Fehlers bewusst. „Schon seit poor Daach hon die of dene Hauptsender alsfort e Bild von ner Gej! Wot soll dann dieser Bleedsinn“, schimpfte er am Abend. Das Problem hatte ich zum Glück schnell behoben. Die Schuld sah Opa nichtsdestotrotz weiterhin bei den TV-Sendern. „Die haale en Oarfet ab in dem dolle Glotzkaste“, urteilte er scharf. Manches war früher eben doch einfacher …

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Ruhestand statt ständigem Ärger

Der freiwillige Verzicht auf eine zweite Amtszeit als Bundespräsident hat Joachim Gauck in dieser Woche viele Schlagzeilen beschert. Die meisten Deutschen bedauern die Entscheidung des 76-jährigen Staatsoberhaupts und hätten sich eine Fortsetzung seiner Arbeit gewünscht. Mein 93-jähriger Opa hingegen zeigte beim Lesen des Artikels sein vollstes Verständnis für Gaucks Entscheidung. „Dä Mann hot rehscht“, meinte Opa. „Wot soll dä sisch da met iwwer 70 noch alsfort met den ganse Knäulköpp remärjern.“ Mein Opa selbst konnte Anfang der 80er-Jahre schon mit 60 Jahren in den Ruhestand treten, weil sein Arbeitgeber seinerzeit Stellen abbaute und der Belegschaft die Altersteilzeit schmackhaft machte. Bereut hat er diese Entscheidung in den vergangenen 33 Jahren offenbar nicht. Dank des frühen Ruhestands blieb schließlich genügend Zeit für seine eigentliche Leidenschaft: die Gartenarbeit.

Kopfschüttelnd wundert sich Opa deshalb gelegentlich über Politiker, die im fortgeschrittenen Alter noch nicht ans Aufhören denken. Auch unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel würde er dringend raten, bei den Bundestagswahlen 2017 mit dann 63 Jahren nicht mehr anzutreten. „Bei dem ganse Ärjer met dem Erdogan un dem Seehofer aus Bayern hätt isch on der ihrer Stell schon lang offgehiert“, meinte Opa. „Die hätt sisch einfach emoh poor Daach krank melle solle.“ Bei wem Frau Merkel den gelben Zettel abgeben soll, blieb allerdings offen…

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Am Geburtstag bloß nicht übertreiben

Etwas erschreckt musste ich dieser Tage feststellen, dass das vierte Quartal des Jahres 2015 bereits begonnen hat. Dabei habe ich mich erst vor einigen Wochen mühevoll daran gewöhnt, nicht mehr automatisch 2014 zu schreiben – und nun stehen schon wieder die Lebkuchen in den Regalen der Supermärkte. Die Zeit scheint zu rasen…

Auch Opa wirkte kürzlich überrascht, als er bemerkte, dass bereits sein 93. Geburtstag ansteht. „Isch hätt joh frieher selbst net gedohcht, dass isch emohl su alt werre“, sagte er zu mir. An seinem Ehrentag ist es nicht ganz leicht, das richtige Maß an Glückwünschen zu finden. Opa freut sich zwar, wenn die Familie zum Gratulieren kommt. Übertriebene Festreden oder pompöse Feierlichkeiten mag er allerdings gar nicht. „Haalt bluß net su vill Gedehnser ab“, hat er schon vorab verlauten lassen. „Un kaaft vor allem kaane Bleedsinn. Die Weiwerleit konne poor Kuche backe un ohmends poor Steecker mache. Dot reischt.“ Trotz seines Geburtstags kann es Opa nämlich nicht leiden, im Mittelpunkt zu stehen. Seine knappe Begründung: „Isch well net estamiert werre.“

Das wird mit steigendem Alter allerdings immer schwieriger, denn inzwischen schaut auch der eine oder andere Offizielle zum Gratulieren vorbei. Dabei würde sich Opa nach eigenem Bekunden viel lieber der Gartenarbeit widmen, als Hände zu schütteln. Eine verspätete Gratulation nahm er passenderweise Anfang der Woche auf dem Kartoffelacker entgegen. Für die Gemeindereferentin der katholischen Kirche hatte Opa dabei sogar noch ein Lob übrig. „Sie mache joh wunderschöne Beerdigunge“, sagte Opa zu der Frau. „Awwer bei mir kann sisch dä liebe Gott ruhisch noch e bisssche Zeit losse!“

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Mit neuer Brille aufs Zweirad umgestiegen

Bis vor wenigen Monaten ist Opa noch Auto gefahren. An einem Abend kurz vor Weihnachten kam er bei Dunkelheit im Gelbachtal mit seinem Wagen von der Straße ab und landete frontal an einem Baum. „Doh hot misch irschend su en Drecksack geblendet“, lautete seine erste Analyse. In der Familie halten wir es allerdings für denkbar, dass seine Jahrzehnte alte Heinz-Erhardt-Gedächtnisbrille eine gewisse Rolle spielte – auch wenn Opa selbst meinte: „Die wohr doch noch gut.“

Opa hatte Glück, dass er sich bei dem heftigen Aufprall nicht verletzt hat. Der Empfehlung einer Polizistin, sich im Krankenhaus untersuchen zu lassen, folgte er dennoch nur widerwillig. „Die Weiwerleut hahle iwisch eine Oarfet ab“, kommentierte er den gut gemeinten Ratschlag. Im Krankenhaus war es anschließend ebenfalls nicht leicht, ihn davon zu überzeugen, dass er sicherheitshalber eine Nacht zur Beobachtung dort bleiben sollte. „Na gut! Dann well isch emohl net su senn un auch och wot ze verdiene gewe“, willigte Opa schließlich ein. Am nächsten Tag wurde er ohne weiteren Befund entlassen.

Die Brille und das Auto jedoch sind hinüber, und einen neuen Wagen will Opa sich mit 92 Jahren dann doch nicht mehr kaufen. „Irschendwann ehs domet joh och emohl Schluss“, erklärte er uns – obwohl er den Wagen eigentlich noch vier bis sechs Jahre fahren wollte, wie er mehrfach beteuerte. Der Gang zum Optiker freilich blieb ihm nicht erspart.

Mit den ersten Sonnenstrahlen des Frühjahrs ist Opa nun aufs Fahrrad umgestiegen. Eine Proberunde zum „Stählwer Sportplatz“ absolvierte er ohne Probleme. „Dot lähft wunderbar“, teilte er mir anschließend mit. Man muss halt in Bewegung bleiben…

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Nur im Winter Zeit für Ersatzteile

Für einen Mann seines Alters ist Opa außergewöhnlich fit. Es ist noch nicht allzu lange her, da entfernte er gerade Moos vom Garagendach, als ihm eine Lieferung „Essen auf Rädern“ zugestellt werden sollte. Der Fahrer war einigermaßen verwundert, aber das Kochen hat Opa halt nie gelernt…

Ganz spurlos geht die Zeit jedoch auch an Opa nicht vorbei und deshalb klagte er mit fast 90 Jahren über Beschwerden mit einem Kniegelenk. „Isch kann dot Knie nimmi rischdisch begge“, stellte er seinerzeit fest. „Doh misst emohl e nej Gelenk renn.“ Dem Orthopäden erklärte Opa bei einem Untersuchungstermin auch sogleich, wann das neue Kniegelenk eingesetzt werden muss: im Winter. „Dann honn isch Zeit“, lautete Opas Begründung. „Wenn isch im Frehjohr widda in de Gohrde muss, es dot alles verheilt!“

Der Arzt allerdings hatte gewisse Zweifel, ob der Eingriff tatsächlich nötig ist. Wie weit er denn mit dem angeschlagenen Knie noch gehen könne, wollte der Mediziner wissen. „Joh“, überlegte Opa kurz. „Su zehn Killomehder.“ Die Empfehlung des Arztes fiel dann nicht ganz so aus, wie Opa es erwartet hatte. Er solle sich einfach ein bisschen mehr schonen und nicht so lange auf den Knien durch den Garten rutschen. Im Prinzip sei das Knie für einen fast 90-Jährigen nämlich noch ziemlich gut. „Ei da losse mah dot irscht emol suh“, willigte Opa schließlich ein. Seine Rückkehr kündigte er aber dennoch an: „Wenn et in e pohr Johr gor nimmi gieht, kann isch jo nommo widda komme.“

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